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Erstellen des ersten Projekts in IntelliJ IDEA

Kotlin SELF
Level 5, Lektion 3
Verfügbar

1. Schritt-fuer-Schritt ein neues Projekt erstellen

Ein Projekt in IntelliJ IDEA ist nicht nur ein Ordner mit Dateien, sondern ein ganzer Container, in dem die IDE alles speichert, was mit deinem zukuenftigen Programm zu tun hat. Im Projekt liegen:

  • Quellcode, Dateien mit der Endung .kt;
  • Projekteinstellungen, z. B. welche Version der Java Virtual Machine zum Start verwendet werden soll;
  • externe Bibliotheken;
  • Hilfsdateien und Ressourcen.

Innerhalb eines Projekts gibt es normalerweise den Ordner src — das ist der wichtigste Ort fuer deine Kotlin-Dateien. Alles, was nicht zum Code gehoert, wird separat gespeichert und stoert die Arbeit nicht.

IntelliJ IDEA starten

Klicke auf dem Startbildschirm auf die grosse blaue Schaltflaeche New Project. Wenn bereits ein anderes Projekt geoeffnet ist, klicke auf File-New Project

Projektparameter konfigurieren

Achte auf das linke Menue des Fensters: Dort muss unbedingt die Sprache Kotlin ausgewaehlt sein; standardmaessig ist dort Java eingestellt. Gehen wir nun die wichtigsten Felder durch:

  • Name: der Name deines Projekts. Dieser Name wird auch verwendet, um den Ordner auf der Festplatte zu erstellen. Du kannst untitled1 lassen oder etwas anderes schreiben, z. B. MyFirstProject.
  • Location: der Pfad, unter dem das Projekt auf dem Computer gespeichert wird. Standardmaessig schlaegt IDEA seinen eigenen Ordner IdeaProjects vor. Wir lassen das so.
  • Create Git repository: ermoeglicht es, sofort ein Git-Repository zu initialisieren. In dieser Phase, um es nicht zu verkomplizieren, lasse dieses Kaestchen deaktiviert.
  • Build system: Ein Build-System ist ein Tool, das den Prozess der Code-Kompilierung automatisiert:
    • IntelliJ: das integrierte, einfachste Build-System von IDEA. Unsere Wahl fuer den Einstieg.
    • Gradle: ein leistungsfaehiges Build-System, de-facto Standard in der Kotlin-Welt. Zum Lernen ist es jetzt aber ueberdimensioniert. Es jetzt zu benutzen ist, als wuerde man Naegel mit einem Mikroskop einschlagen.
  • Add sample code: IDEA erstellt automatisch eine Basisdatei mit der Funktion main und einem Codebeispiel.
  • Use compact project structure: laesst die Ordnerstruktur einfach und flach, ohne ueberfluessige Verschachtelungen.

JDK aus IntelliJ IDEA installieren

Wenn die JDK-Liste leer ist, ist unsere Aufgabe, es direkt von hier herunterzuladen.

1. Klicke auf die Dropdown-Liste und waehle die Option Download JDK...

2. Es oeffnet sich ein kleines Fenster:

  • Version: Auswahl der Java-Version. Unser Kurs funktioniert hervorragend mit modernen LTS-Versionen; wir waehlen 25.
  • Vendor: der Anbieter der Distribution. Wie besprochen, waehlen wir Amazon Corretto, du kannst aber auch einen anderen verwenden.
  • Location: der Pfad, wohin IDEA dieses JDK herunterlaedt und installiert. Wir lassen die Voreinstellung.

3. Klicke auf die Schaltflaeche Select oder Download.

Alle Einstellungen sind vorgenommen. Klicke auf Create.

IntelliJ IDEA beginnt, das ausgewaehlte JDK herunterzuladen, erstellt danach die Projektstruktur und oeffnet das Hauptfenster des Editors. Unten am Bildschirm kann die Meldung Indexing... erscheinen — die IDE liest Dateien ein, um dir mit Vorschlaegen zu helfen. Warte einfach kurz.

Beim ersten Start unter Windows kannst du eine Benachrichtigung sehen: "Microsoft Defender may affect IDE performance". Klicke ruhig auf Automatically oder Exclude folders. IDEA fuegt den Projektordner zu den Ausnahmen des Virenscanners hinzu, damit der Code-Build schnell funktioniert.

Ultimate-Testzeitraum

Beim ersten Oeffnen des Editors kannst du ein grosses Fenster oder Banner sehen: "Your free Ultimate subscription trial is active".

Keine Sorge, du musst nichts bezahlen. Die neue einheitliche IDEA-Version gibt dir 30 Tage lang Zugriff auf alle Funktionen. Fuer unseren Kurs reichen die kostenlosen Moeglichkeiten voellig aus, daher kannst du dieses Fenster einfach schliessen.

2. Kurzer Ueberblick und erster Code

In IntelliJ IDEA kannst du die Skalierung der gesamten Benutzeroberflaeche schnell aendern, ohne in den Einstellungen zu wuehlen: Alt + Shift + = oder in den Einstellungen Settings -- View -> Appearance -> Zoom IDE .

Vor dir hat sich der Code-Editor mit der Datei Main.kt geoeffnet.

1. Seitenmenue

2. Project das Hauptfenster zum Navigieren in der Projektstruktur.

3. Die aktuell geoeffnete Datei Main.kt

4. Schaltflaechen fuer Run ▶ Starten und Debuggen des Programms

IDEA hat fuer uns Beispielcode mit nuetzlichen Hinweisen — TIPs — generiert. Schauen wir ihn uns an:

Codeanalyse

Der Code wirkt etwas komplexer als nur „Hello World“, aber er demonstriert die Staerke von Kotlin hervorragend:

  • //TIPs ... — das sind Tipps und Shortcuts.
  • val name = "Kotlin" — wir haben eine Variable name erstellt. Beachte: Wir mussten den Variablentyp nicht angeben; Kotlin hat ihn selbst erkannt.
  • println(...) — Ausgabe von Text auf dem Bildschirm.
  • for (i in 1..5) — das ist eine Schleife. Der Code innerhalb der geschweiften Klammern wird 5-mal ausgefuehrt (fuer die Zahlen von 1 bis 5).
  • println("i = $i") — Kotlin-Magie! Das Symbol $ ermoeglicht es, den Wert der Variablen i direkt in eine Zeichenkette einzufuegen.

Der rote Kreis am linken Rand oder das Icon im Code — das ist der Einstiegspunkt fuer den Debug-Modus (debug). Darueber sprechen wir spaeter. Wenn du so einen Punkt aus Versehen gesetzt hast, klicke einfach noch einmal darauf, um ihn zu entfernen.

Top-Level-Funktionen

Merk dir das einfach; jetzt musst du das noch nicht im Detail verstehen.

Beachte: Die Funktion main ist in keine class eingebettet. In Kotlin nennt man das Top-Level Function. Wenn eine Funktion nicht zu einem konkreten Objekt gehoert, kann sie direkt in der .kt-Datei stehen.

Da die JVM Klassen verlangt, erstellt der Kotlin-Compiler beim Start selbst eine unsichtbare Klasse (meist MainKt), sodass alle technischen Anforderungen erfuellt sind.

3. Projektstruktur

Schauen wir uns die Projektstruktur links genauer an.

  • .idea — ein Systemordner von IntelliJ IDEA mit den Projekteinstellungen. Du solltest ihn nicht manuell aendern.
  • src — der wichtigste Ordner! Abkuerzung fuer „sources“ — Quellcode. Genau hier wird dein gesamter Kotlin-Code liegen.
    • Main.kt — da wir gebeten haben, „sample code“ hinzuzufuegen, hat IDEA diese Datei erstellt. Darin befindet sich die Funktion fun main(). Das ist der „Einstiegspunkt“ — genau hier beginnt die Ausfuehrung jedes Programms.
  • External Libraries — ein virtueller Ordner, in dem die eingebundenen Bibliotheken angezeigt werden. Aktuell befinden sich dort unser JDK und die Standardbibliothek Kotlin/JVM.

4. Programm starten

Das Angenehmste: den Code starten und das Ergebnis sehen. In Kotlin gibt es eine gute und sichere Moeglichkeit, eine konkrete Datei zu starten.

Suche im Code-Editor die Funktion fun main(). Links davon, am Rand mit den Zeilennummern (im sogenannten gutter), gibt es ein gruennes Dreieck ▶. Klicke darauf und waehle Run 'MainKt'.

Unten oeffnet sich das Fenster Run/Console, und du siehst das Ergebnis der Programmausfuehrung:

Schauen wir uns die Ausgabe an:

Startkommando (die graue Systemzeile ganz am Anfang) — das ist der Pfad zur JVM, den IDEA fuer den Start deines kompilierten Codes zusammengestellt hat.

Programmausgabe (normaler Text) — das ist das Ergebnis deiner println().

Exit-Code: Process finished with exit code 0. Das ist der Abschlussbericht. Per Konvention bedeutet exit code 0, dass das Programm alle Anweisungen erfolgreich ausgefuehrt hat und ohne Fehler beendet wurde. Jeder andere Code bedeutet, dass das Programm waehrend der Ausfuehrung „abgestuerzt“ ist.

Ausserdem erscheint nach dem ersten Start im Projekt ein versteckter Ordner out. Darin liegen die kompilierten .class-Dateien — der Kotlin-Bytecode, den die JVM ausfuehrt.

Was passiert beim Klicken auf Run?

  1. Code kompilieren — der Kotlin-Compiler wandelt deine .kt-Dateien in .class-Bytecode um.
  2. JVM starten — die Java Virtual Machine startet und sucht den Einstiegspunkt: fun main().
  3. Ausfuehrung — die Anweisungen werden ausgefuehrt, und das Ergebnis wird im Konsolenfenster ausgegeben.

5. Alt + Enter und Tastenkombinationen

Beim Arbeiten in IntelliJ IDEA wirst du im Editor einen grauen Hinweistext sehen: "Press Alt Enter... to see how IntelliJ IDEA suggests fixing it".

Die Tastenkombination Alt + Enter bzw. Option + Enter unter macOS ist dein wichtigster Zauberstab. Wenn die IDE Code rot (Fehler) oder gelb (Warnung) unterstreicht, setze den Cursor darauf und druecke diese Tasten. IDEA erklaert nicht nur das Problem, sondern bietet auch Optionen zur automatischen Korrektur.

Ausserdem unterstuetzt die IDE viele weitere Shortcuts fuer Navigation und Debugging. Du kannst sie in der JetBrains-Dokumentation nachsehen oder direkt im IDEA-Menue: Help -> Keyboard Shortcuts PDF.

6. Typische Fehler und wie du sie vermeidest

Die Illusion eines „eingefrorenen Programms“

Wenn du im Code die Funktion readln() verwendest, erscheint beim Start in der Konsole kein Text; es blinkt nur der Cursor. Anfaenger denken oft, IDEA sei haengengeblieben. Tatsaechtlich wartet das Programm nur auf deine Eingabe. Klicke mit der Maus ins Konsolenfenster Run, tippe Text ein und druecke Enter.

Es startet das „falsche“ main (Run Configurations)

Wenn du im Projekt eine zweite Datei Test.kt erstellst und dort noch ein fun main() schreibst, hast du zwei Einstiegspunkte. Wenn du danach die grosse Run-Schaltflaeche ganz oben im Fenster klickst, kann IDEA die vorherige Datei starten. Um immer genau den Code zu starten, den du gerade bearbeitest, klicke auf das gruene Dreieck ▶ links neben dem gewuenschten fun main() direkt im Code-Editor.

Code nicht im Ordner src geschrieben

Der Ordner src ist die Quellcode-Wurzel. Die Entwicklungsumgebung erwartet Kotlin-Code genau dort. Wenn du eine .kt-Datei ausserhalb dieses Ordners erstellst (z. B. im Projektstamm), erscheint die Start-Schaltflaeche nicht, und der Code wird nicht kompiliert.

fun main() fehlt oder ist falsch geschrieben
Wenn du vergisst, fun main() zu schreiben, oder die Funktion fun myMain() nennst, startet das Programm nicht, weil die JVM keinen Einstiegspunkt findet.

Kein JDK fuer das Projekt ausgewaehlt
Wenn du beim Erstellen des Projekts den Schritt mit dem JDK aus Versehen ueberspringst, gibt IDEA den Fehler "Project SDK is not defined" aus. Das laesst sich leicht ueber die Einstellungen beheben: File → Project Structure → Project SDK.

Kyrillisch und Leerzeichen im Projektpfad
Obwohl moderne Systeme toleranter mit Namen umgehen, gilt die goldene Regel: Projektpfade sollten keine kyrillische Schrift, Leerzeichen oder Sonderzeichen enthalten (z. B. C:\My Projects\Project 1 — keine gute Idee). Verwende nur lateinische Buchstaben und Unterstriche (C:\IdeaProjects\project_one).

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